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Zusammenfassung

Klimapolitische Governance stärken, um Wettbewerbsfähigkeit, Vereinfachung und
Investitionssicherheit in Einklang zu bringen

Der Anspruch an einen klima- und energiepolitischen Governance-Rahmen der Europäischen Union muss sein, die Glaubwürdigkeit des Pfads zur Klimaneutralität zu wahren und zugleich Wettbewerbsfähigkeit, Vereinfachung und Investitionssicherheit zu unterstützen. Das Klimaziel für 2040 bildet dabei einen wichtigen Anker, doch die wachsende Komplexität der Zielarchitektur und neue Flexibilitäten erfordern eine sorgfältige Ausgestaltung, um für öffentliche und private Investitionen eine ausreichend klare Orientierung für eine effektive Zielerreichung zu bieten. Versuche, das System zu vereinfachen, sollten deshalb darauf abzielen, Klarheit, Umsetzbarkeit und Verwaltungseffizienz zu verbessern, ohne die Steuerungsfunktion des Klima- und Energierechts zu schwächen oder in Deregulierung umzuschlagen. Gleichzeitig ist eine stärkere Integration der Planungs- und Monitoringprozesse in den Bereichen Klima, Wettbewerbsfähigkeit und Sozialpolitik notwendig, um die Fragmentierung von politischen Instrumenten und Prozessen zu verringern, die Koordination zwischen Ressorts und Politikfeldern zu verbessern und ein kohärenteres sowie tragfähigeres Governance-System für die Transformation zu schaffen.

Klimapolitische Maßnahmen sollten eine ausgewogene Finanzierung kurz- und
langfristiger Instrumente sicherstellen

Die Energiewende erfordert erhebliche Vorabinvestitionen, während Haushalte durch die resultierenden Vorteile erst zeitverzögert profitieren, was zu Akzeptanzproblemen führen kann. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit gezielter Kompensationsmaßnahmen, insbesondere für einkommensschwächere Haushalte, jedoch birgt sie gleichzeitig die Gefahr einer Vergrößerung der bestehenden Finanzierungslücke. Ein alternativer Ansatz zur Steigerung der Akzeptanz ohne zusätzlichen Finanzierungsbedarf besteht in der Stärkung lokal organisierter Strukturen, wodurch staatliche Mittel gezielter auf risikobehaftete Schlüsseltechnologien, wie beispielsweise Wasserstoff, konzentriert werden können.

Einbettung der Industrietransformation in industrie- und geopolitische Realitäten

Der Weg zu einer wettbewerbsfähigen und klimaneutralen EU-Industrie ruft nach einer kohärenten politischen Architektur, welche auf dem CO2-Preis aufbaut, aber mehr als nur den EU-Zertifikatehandels (EU ETS)beinhaltet. Eine solche Architektur wägt staatliche Risikoübernahme vorsichtig ab, lenkt finanzielle Mittel zu den klimafreundlichsten Ressourcen, antizipiert die geopolitischen Realitäten industrieller Standortverlegung, und berücksichtigt eine resiliente Rohstoffversorgung für die Clean-Tech-Innovationsstrategie.

Weiterentwicklung des EU-Zertifikatehandels (EU ETS) für langfristige Glaubwürdigkeit

Das EU ETS ist ein wirksames und sich weiterentwickelndes Instrument, das saubere Innovation und sektorübergreifende Spillover-Effekte fördert – doch seine langfristige Glaubwürdigkeit hängt von einer sorgfältigen Steuerung in mehreren Dimensionen ab. Die Aktivität der Finanzmärkte muss überwacht werden, um Liquidität und Preisstabilität zu erhalten; die zentralen Parameter des Systems – einschließlich Marktstabilitäsreserve (MSR), linearer Reduktionsfaktor (LRF) und der potenziellen Integration internationaler Gutschriften – erfordern ein ausgewogenes Design, insbesondere, weil die Wirkung eines Parameters wiederum die der anderen verstärken oder untergraben kann. Gesetzliche Änderungen müssen rechtlich geprüft werden, um steuerliche Souveränitätsrechte zu wahren. Das ergänzende CO2-Grenzausgleichssystem CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) ist zwar ein bedeutender Schritt nach vorne, bedarf jedoch weiterer Verbesserungen, um Wettbewerbsnachteile für Exporteure zu beheben und bestehende Schlupflöcher zu schließen. Zusammengenommen unterstreichen diese Erkenntnisse die Notwendigkeit eines kohärenten, evidenzbasierten Ansatzes zur Stärkung des EU ETS als Kernbaustein der klimapolitischen Architektur in den kommenden Jahren.

Entwicklung einer flexiblen, resilienten und nachhaltigen Energieinfrastruktur für das Jahr 2030 und danach

Die Entwicklung einer integrierten, pan-europäischen Energieinfrastruktur ist eine Notwendigkeit für die Erreichung der Klimaneutralität in Europa. Dazu bedarf es einer konsequenten Umsetzung bestehender Regulierung. Die deutsche Umsetzung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie III bleibt jedoch in Planung und Genehmigung fragmentiert und verursacht rechtliche Unsicherheiten. Gesetzliche Klarstellungen, insbesondere im Raumordnungsrecht und im Baugesetzbuch, sind erforderlich, um die Multifunktionalität von Flächen als Leitprinzip zu etablieren. Nach der Konsolidierung sollten Erneuerbaren-Beschleunigungsgebiete (Renewable Acceleration Areas) und Infrastrukturpläne für Photovoltaik- und Speicheranlagen systematisch ausgeweitet werden. Das 15-%-Interconnection-Target bis 2030 signalisiert ein starkes politisches Bekenntnis. Szenarioanalysen mit dem Energiesystemmodell TIMES PanEU zeigen, dass ein einzelnes 15-%-Interconnection-Target die unterschiedlichen Bedingungen und Prioritäten der Mitgliedstaaten, obwohl es parallel zum Strommarkt eingeführt wurde, nicht ausreichend berücksichtigt. Eine flexible, resiliente und nachhaltige europäische Energieinfrastruktur erfordert eine bessere Harmonisierung nationaler und EU‑Planungen, effiziente Finanzierung und schnellere Projektumsetzung; andernfalls droht eine ineffiziente Investition in Strom- und Wasserstoffinfrastrukturen.

Autorinnen & Autoren

Simon Feindt

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Matthias Duwe

Ecologic Institut

Nikolas Messerschmidt

Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Dr. Michael Pahle

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Darius Sultani

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Dr. Markus Ehrmann

Stiftung Umweltenergierecht

Dr. Sebastian Osorio

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Johannes Brehm

RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Ronja Busch

Stiftung Umweltenergierecht

Annika Gillich

Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Jana Nysten

Stiftung Umweltenergierecht

Christoph Plate

Universität Greifswald

Prof. Dr. Sabine Schlacke

Universität Greifswald

Eva-Maria Thierjung

Universität Greifswald

Prof. Dr. Frank Best

Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung

Markus Blesl

Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Nils Bruch

Technische Universität Darmstadt

Flora Dicke

Ecologic Institute

Dr. Jonas Egerer

Technische Universität Nürnberg

Yassin El Hatri

Universität Duisburg-Essen

Nick Evans

Ecologic Institute

Dr. Ulrich Fahl

Universität Stuttgart - Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Corinna Fürst

Ecologic Institute

Natalia Goryashchenko

Technische Universität Nürnberg

Veronika Grimm

Technische Universität Nürnberg

Dr. Michael Jakob

Climate Transition Economics

Prof. Dr. Rüdiger Kiesel

Universität Duisburg-Essen

Lena Kittel

Universität Stuttgart - Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Prof. Dr. Michèle Knodt

Technische Universität Darmstadt

Eunseong Park

Leibniz Centre for European Economic Research and Mannheim University

Fabian Pause

Stiftung Umweltenergierecht

Prof. Dr. Grischa Perino

Universität Hamburg

Simon Quemin

Electricité De France

Sebastian Rausch

ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Tobias Schmidt

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Frederik Schmitz

Universität Hamburg

Dr. Bjarne Steffen

ETH Zürich

Luca Taschini

University of Edinburgh

Dimitrios Tsoutsoulopoulos

Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Jules Welgryn

Chaire Economie du Climat

Peiwen Zhang

Universität Stuttgart – Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

Henri Gruhl

RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung