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Faire Verteilung statt einseitiger Förderung: Bürgerinnen und Bürger erstellen Politik-Mixe für die Verkehrs- und Wärmewende

Teilnehmende der Ariadne-Bürgerdeliberation legen großen Wert sowohl auf eine sozial gerechte Wärmewende als auch auf effektive Maßnahmen im Verkehrswende-Mix. Sie priorisieren das Deutschland-Ticket sowie einen guten öffentlichen Verkehr. Innerhalb der Wärmewende finden sie sozial gestaffelte Förderprogramme und verständliche Informationen zielführend. Zwei neue Ariadne kompakts geben Einblick in die zweite Phase des Dialogs zwischen Gesellschaft und Forschung.

Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine faire Wärmewende sowie eine Verkehrswende, die die verschiedenen Voraussetzungen in Stadt und Land berücksichtigt. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und das Deutschland-Tickets sollten dabei eine große Rolle spielen. Das zeigen Online-Dialoge von März und Mai 2025, bei denen Forschende des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung rund 80 Teilnehmende aus ganz Deutschland dazu einluden, politische Instrumente zur Verkehrs- und Wärmewende zu diskutieren. Aus einem von den Forschenden zusammengestellten Maßnahmenkatalog, der die Bereiche Förderung, Ordnungsrecht, Informationspolitik und Preisanreize abdeckte, konnten die Bürgerinnen und Bürger eigene Politik-Mixe erstellen und diese gemeinsam bewerten. Hinweise zu den Treibhausgaseinsparpotenzialen sowie staatlichen Kosten der Maßnahmen unterstützten den Bewertungsprozess. Dabei zeigten sich klare Präferenzen: Beispielsweise sprechen sich die Teilnehmenden für ein Tempolimit auf Bundesautobahnen von 130 Kilometern pro Stunde sowie ein vergünstigtes Deutschlandticket von 29 Euro aus. Außerdem wünschen sie sich, dass der öffentliche Nah- und Fernverkehr ausgeweitet und das Dieselprivileg abgeschafft wird. Über die Hälfte der Teilnehmenden spricht sich für einen CO2-Preis mit einer 50-prozentigen Rückerstattung aus.

Im Hinblick auf die Wärmewende begrüßen die Bürgerinnen und Bürger die seit 2025 existierende sozial gestaffelte Förderung beim Heizungsaustausch, die es auch einkommensschwächeren Haushalten ermöglicht, an der Wärmewende teilzuhaben. Sie sprechen sich allgemein positiv für sozial gestaffelte Förderungen aus. Die Teilnehmenden finden darüber hinaus ein Verbot fossiler Heizungen in Neubauten sinnvoll, da sie es hier am ehesten für umsetzbar und kalkulierbar halten und den Vorteil von Kosteneinsparungen sehen. Einen planbaren CO2-Preis halten sie dann für zielführend und gesellschaftlich akzeptabel, wenn die daraus gewonnenen Einnahmen in öffentliche Wärmenetze fließen.

Ariadne beteiligt Menschen von Anfang an und über den gesamten Projektverlauf in einem fortlaufenden Wechsel zwischen Dialogformaten und Forschungsphasen. Der Fokus der zweiten Phase der Ariadne-Bürgerdeliberation liegt auf Verteilungseffekten von Klimamaßnahmen sowie der Verkehrs- und Wärmewende. Das so entwickelte Orientierungswissen für politische Entscheidungstragende verbindet Fachwissen zur Wirkung von Instrumenten mit den Wertevorstellungen und Perspektiven der Menschen. Der hier präsentierte Online-Dialog war die Anschlussveranstaltung an die Bürgerkonferenz 2024. Im Juni 2026 findet in Berlin der abschließende Bürgergipfel statt.

Ariadne kompakt

Katja Treichel-Grass, Luca Tilly (2026): Aus Forschung und Bürgerdialog – Politik-Mix für die Verkehrswende. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam.

Ariadne kompakt

Noah Kögel, Julia Epp, Katja Treichel-Grass (2026): Die Mischung macht’s – Perspektiven auf Politik-Mixe für die Wärmewende. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam.

Institute der beteiligten Autorinnen und Autoren: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung