Eine Auswertung mehrerer Studien zur Wirkung des im Mai 2023 eingeführten Deutschlandtickets zeigt eine klare Verkehrsverlagerung vom Pkw auf den öffentlichen Personennahverkehr. Die Ergebnisse eines Reports des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kopernikus-Projekts Ariadne widerlegen die Kritik, dass das Ticket hauptsächlich zusätzlichen Verkehr generiere, ohne einen Beitrag für die Klimaziele zu leisten. Die zusammengetragene Studienlage belegt vielmehr eine erhebliche Reduktion der CO2-Emissionen bis zu 6,5 Millionen Tonnen pro Jahr zu Vermeidungskosten im zweistelligen Euro-Bereich.
Die Ariadne-Forschenden kombinieren in ihrem Report Ergebnisse aus einer Vielzahl an Studien basierend auf Befragungen und Beobachtungszahlen, wie zum Beispiel Mobilfunk- und Verkehrszählungsdaten. Sie belegen, dass das Deutschlandticket zu einer Verkehrsverlagerung geführt hat – 12 bis 16 Prozent aller Fahrten mit dem Deutschlandticket sind Fahrten, die vom Pkw auf die Schiene verlagert wurden. Die treibende Kraft für den Umstieg sind Menschen, die den öffentlichen Nahverkehr zuvor wenig bis gelegentlich genutzt haben – sie machen knapp die Hälfte der Deutschlandticket-Besitzenden aus. Die Bedeutung dieser Gruppe wird häufig übersehen, da die Neukundengewinnung fälschlicherweise allein mit der kleinen Anzahl an echten Neueinsteigern in den öffentlichen Personennahverkehr (weniger als 5 Prozent der Deutschlandticket-Besitzenden) gleichgesetzt wird.
„Die von uns betrachteten Studien zeigen, dass das Deutschlandticket keine oder nur geringe zusätzliche Mobilität erzeugt, sondern maßgeblich zur Verkehrsverlagerung beiträgt“, stellt Ariadne-Forscher Nicolas Koch vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. „Nicht nur die Befragungsdaten zeigen, dass der Pkw-Verkehr zugunsten der Bahn zurückgeht. Auch verschiedene Verkehrsdaten bestätigen eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene.“ Dies unterstreicht zum Beispiel eine Ariadne-Studie basierend auf Mobilfunk- und App-Daten, die im Oktober 2024 als onlinebasiertes Tool unter dem Namen „Ariadne D-Ticket Impact Tracker“ veröffentlicht wurde und die nun aktualisiert wurde.
Die Einsparung von CO2-Emissionen wird über die verschiedenen im Ariadne-Report untersuchten Studien hinweg auf 4,2 bis 6,5 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Es wird gezeigt, dass der häufig angebrachte Verweis auf hohe fiskalische Kosten für jede reduzierte Tonne CO2 im dreistelligen oder gar vierstelligen Bereich stark irreführend ist. Mit einer korrekten Berechnung für die volkswirtschaftlichen Kosten kann beim Deutschlandticket von Vermeidungskosten von deutlich unter 100 Euro pro Tonne CO2 ausgegangen werden. Gleichzeitig hat das Deutschlandticket einen nicht zu unterschätzenden gesellschaftlichen Nutzen durch vermiedene Klimaschäden und weitere Umweltbelastungen, wie zum Beispiel Luftschadstoffe, mit 2,4 bis 3,7 Milliarden Euro pro Jahr.
Trotz der positiven Effekte bleibt die Herausforderung, die Wirkung des Deutschlandtickets langfristig zu stabilisieren. Andreas Krämer von exeo Strategic Consulting und Mit-Autor des Reports betont: „Das Deutschlandticket generiert einen Wohlfahrtsgewinn von mindestens 3 Milliarden Euro pro Jahr und ist ein effektives Instrument für die Verkehrswende, bedarf aber weiterer flankierender Maßnahmen. Eine weitere Erhöhung des Ticketpreises oder auch Unsicherheit über den zukünftigen Preis könnten dagegen die positiven Effekte gefährden.
Ariadne-Report
Nicolas Koch, Maximilian Amberg, Andreas Krämer, Gerd Wilger, Robert Bongaerts (2025): Faktencheck Deutschlandticket: Eine Bestandsaufnahme der empirischen Evidenz. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam.